Retinol (Vitamin A)
Funktion und Bedarf
Das fettlösliche Vitamin A kommt in den biologisch aktiven Formen Retinal, Retinol und Retinsäure vor. Zusätzlich gibt es eine Reihe von verschiedenen Provitaminen (Vitamin-Vorstufen). Vitamin A ist am Zellwachstum, an Immunreaktionen, dem Sehprozess, der Spermatogenese und dem Aufbau von Haut und Schleimhäuten beteiligt.
Die Provitamine kommen aus der Gruppe der Carotinoide. Dies sind sind orange-rote Farbstoffe (sekundäre Pflanzenstoffe) in Obst und Gemüse. Aus einigen Carotinoiden z.B. Beta-Carotin kann der Körper Vitamin A bilden. Um eine einheitliche Zufuhrempfehlung für Vitamin A und die Provitamine zu formulieren, wurde der Begriff der "Retinol-Äquivalente" (RÄ) eingeführt (1 µg RÄ = 1 µg all-trans-retinol = 6 µg beta-Carotin = 12 µg Provitamin A- Carotinoide).
Zufuhrempfehlung
Kinder und Jugendliche (je nach Alter): 0,6 bis 1,1 µg RÄ pro Tag
Erwachsene: 0,8 µg RÄ (Frauen) bzw. 1,0 µg RÄ (Männer) pro Tag
Vorkommen in Lebensmitteln
Besonders gute Vitamin-A-Quellen sind Obst und Gemüse, die das Provitamin Beta-Carotin enthalten. Hierzu zählen Karotten, Grünkohl, Brokkoli, Feldsalat, Tomaten, Aprikosen, Papaya und Mangos. Von den tierischen Lebensmitteln enthält nur Leber hohe Vitamin-A-Gehalte. Je nach Fütterung kann eine Portion Leber soviel Vitamin A enthalten, dass bei Schwangeren das Ungeborene gefährdet sein kann. Schwangeren wird deshalb im ersten Drittel der Schwangerschaft geraten, keine Leber zu verzehren. Wegen der großen Bedeutung von Vitamin A für die Lungenreifung des Ungeborenen ist im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin A zu achten.
Mögliche Mangelerscheinungen
Nachtblindheit und späteres Erblinden
Hörstörungen, Eintrocknung von Haut und Schleimhäuten sowie Schwächung des Immunsystems
Versorgungslage und Risikogruppen
Alle Bevölkerungsgruppen sind ausreichend mit Vitamin A versorgt. Eine kritische Versorgungslage findet sich bei Neugeborenen, Kindern mit häufigen, fiebrigen Infekten und Senioren.