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Pyridoxin (Vitamin B6)

Funktion und Bedarf

Pyridoxin ist die Ausgangssubstanz für die Coenzyme PLP (Pyridoxalphosphat) und PMP (Pyridoxaminphosphat). Diese Coenzyme besitzen eine zentrale Rolle im Aminosäure- und Proteinstoffwechsel. Außerdem beeinflusst Pyridoxin Funktionen des Nerven- und Immunsystems sowie die Produktion des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin).

Wegen der engen Verknüpfung zwischen Pyridoxinbedarf und Proteinumsatz basieren die Zufuhrempfehlungen auf der empfohlenen Proteinaufnahme: 0,02 mg Pyridoxin pro Gramm Protein.

Zufuhrempfehlungen
Kinder (je nach Alter): 0,4 bis 1,0 mg pro Tag
Jugendliche: 1,6 mg (männlich) bzw. 1,2 mg (weiblich) pro Tag
Erwachsene: 1,2 mg (Frauen) bzw. 1,5 mg (Männer) pro Tag

Vorkommen in Lebensmitteln

Vitamin B6 ist in fast allen Lebensmitteln enthalten. Gute Lieferanten sind Hühner- und Schweinefleisch, Fisch und einige Gemüsearten (Kohl, grüne Bohnen, Linsen, Feldsalat) sowie Vollkornprodukte, Sojabohnen, Nüsse und Bananen.

Mögliche Mangelerscheinungen

Mangelerscheinungen treten selten auf, meist im Zusammenhang mit einer Protein-Energie-Mangelernährung (PEM).
Ein schwerer Vitamin B6-Mangel führt zu Hautentzündungen (seborrhoische Dermatitis), Anämien und neurologischen Störungen mit Krampfanfällen.

B-Vitamine beugen Herzinfarkt und Schlaganfällen vor

Folsäure, Vitamin B6 und B12 tragen dazu bei, Homocystein zu senken. Sie können darüber hinaus arteriosklerotische Schäden teilweise rückgängig machen.

Vitamine können nicht nur dazu beitragen, einem Schlaganfall oder Herzinfarkt vorzubeugen, sie können auch arteriosklerotische Veränderungen der Gefäße rückgängig machen. Das ist das auch für Forscher überraschende Ergebnis einer Studie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. 50 Patienten mit Arteriosklerose nahmen in verschiedenen Instituten mit einem durchschnittlichen Alter von 60 Jahren an der Studie teil. Bei allen war die Intima, die Innenwand der Blutgefäße, zu dick, was als ein deutliches Zeichen für eine Arteriosklerose gilt. Die Hälfte der Patienten nahm ein Jahr lang täglich eine Vitamin-Kombination aus 2,5 Milligramm Folsäure, 25 Milligramm Vitamin B6 und 0,5 Milligramm Vitamin B12, die andere Hälfte erhielt als Kontrollgruppe ein Placebo. Mit den Vitaminen nahm die Dicke der Intima in der Halsschlagader um 4,2 Prozent ab, mit dem Placebo nahm sie um 7,4 Prozent zu. Während die Forscher nur gehofft hatten, die Arteriosklerose zu verlangsamen, konnten also die arteriosklerotischen Veränderungen sogar teilweise rückgängig gemacht werden.

Zurückgeführt wird dieser Behandlungserfolg auf die gute Wirkung von Vitaminen auf Homocystein. Diese Aminosäure gilt heute als ein wichtiger Risikofaktor für Arteriosklerose. Homocystein kann vermutlich die Gefäßwände direkt schädigen und die Oxidation von LDL-Cholesterin fördern. Und das kann zur Arterienverkalkung führen. Folsäure, Vitamin B6 und B12 tragen dazu bei, erhöhte Homocysteinspiegel zu senken, das bestätigte sich auch in dieser Studie. Darüber hinaus können sie aber allgemein die Risiken für Herzinfarkte, Schlaganfälle und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern und bereits vorhandene arteriosklerotische Schäden teilweise rückgängig machen. Folsäure ist besonders reichlich in Salaten, Spinat, Brokkoli und Tomaten enthalten. Leber, Fleisch, Hülsenfrüchte und Gemüse liefern Vitamin B6. Fisch, Fleisch, Eier und Milchprodukte versorgen mit Vitamin B12. Inzwischen werden auch Vitamin-Präparate angeboten, die Folsäure, Vitamin B6 und B12 kombiniert ergänzen.

Quelle: Medizinischer Weltkongress zeigt neue Möglichkeiten. Infarktprävention durch B-Vitamine. In: Heart-line, IgE-Pressedienst vom 12. August 2003.


Originalquelle: Journal of Inherited Metabolic Disease 2003; 26 (Supplements 1): 13.